Die Explosion

Mit schnellen Schritten ging er durch den weißen festgefro­renen Schnee. Es knirschte un­ter seinen Schuhen und er hin­terließ eine lange Spur auf dem Weg zu seinem Auto.

Trotz des Schnees bildete er sich ein, es roch nach Früh­ling. 

Der Beginn einer neuen Jah­reszeit sollte auch der Beginn ei­nes neuen Lebens für ihn werden.

Seit Wochen bereitete er seinen Plan vor und nun wollte er ihn in die Tat umsetzen. Er war sich si­cher,  es wird der per­fekte Mord. Keiner würde et­was merken.

Seine Frau und die Kinder sa­ßen schon im Auto und den Schwiegereltern hatte er erzählt, dass sie ein verlängertes Wochenende in den Bergen verbringen wollen, um mit den Kindern schlitten zu fahren.

Überhaupt, mit den Schwiegereltern hatte alles angefangen.

Seine Frau hatte ihn gebeten, beim Kauf des neuen Hauses für die Eltern eine kleine Wohnung mit einzuplanen und das war der Anfang vom Ende.

Gleich nachdem sie gemeinsam das Haus bezogen haben, fingen die Schwiegereltern an, sich überall einzumischen.

Von der Arbeit nach Hause zu kommen und sich den ständig neuen Auseinandersetzungen mit seiner Frau und den Schwiegereltern zu stellen, fiel ihm von Tag zu Tag schwerer. Er sehnte sich nach den glücklichen Tagen zurück, als sie noch in ihrer kleinen Wohnung gelebt haben.

Mit dem großen Haus war das schöne Leben vorbei. Das Geld fehlte an allen Ecken und Enden. Die Schwiegereltern lebten in der Wohnung ohne dafür Miete zu zahlen, da sie nur eine kleine Rente bezogen.

Als er das Haus gekauft hat, ist er davon ausgegangen, dass sie sich wenigstens etwas an den Kosten beteiligen würden. Das sie seine Frau, also ihre Tochter mit den Kindern unterstützen, damit sie wieder arbeiten gehen kann. Aber auch das ist nicht passiert.

Sie waren viel auf Reisen und machten sich das Leben schön. Wie er fand, auf seine Kosten.

Eines Abends ist er in den Keller gegangen und hat seinen Schwiegervater dabei ertappt, wie er im Heizungsraum saß und eine Zigarette rauchte. Angeblich hatte er sich das Rauchen längst abgewöhnt. Auch hier war er wieder getäuscht worden.

Er war kein schlechter Mensch aber er wollte so nicht weiter leben. Er liebte seine Frau und seine Kinder. Er wollte zurück in die kleine Wohnung, zurück zu den glücklichen Tagen. Er wollte seine Schwiegereltern aber auch das große und teure Haus loswerden.

Seit Wochen weiß er, dass im Haus eine neue Heizung eingebaut werden muss und er weiß auch, dass er das Geld dafür nicht aufbringen kann.

Und dann als er seinen Schwiegervater im Keller beim Rauchen erwischt hatte, kam ihm die richtige Idee.

Seiner Frau und den Kindern hatte er ein schönes Wochenende in den Bergen versprochen und dieses Versprechen wollte er nun einhalten. Seine Schwiegereltern sollten in der Zeit auf das Haus aufpassen.

Für den Schwiegervater hatte er im Keller eine volle Schachtel Zigaretten hingelegt und er wusste genau, dass dieser nach dem Abendbrot wieder in den Keller gehen würde, um zu rauchen.

Nachdem die Frau mit den Kindern im Auto saß, gab er vor, etwas Wichtiges im Haus vergessen zu haben.

Rasch ging er in den Keller und manipulierte die Heizung so, dass ein wenig Gas entweichen konnte.

Jetzt musste nur noch der Abend kommen und sein Schwiegervater zum Rauchen in den Keller gehen.

Später nachdem sie einen wundervollen Tag mit den Kindern verbracht hatten und auf ihrem Zimmer saßen, um einen ruhigen Abend zu genießen, klingelte das Telefon.

Seine Frau nahm den Hörer ab und er sah, wie sie immer blasser wurde und anfing zu weinen.

Er jubelte innerlich. Wusste er doch, dass dieser Anruf seine Freiheit bedeutete.